Zu den Vorwürfe der Manipulation

Asperger-Autisten sind meist normal bis überdurchschnittlich intelligent, beruflich oft sehr erfolgreich, häufig in technischen und etwas „nerdigen“ Berufen tätig – und ihr „Anderssein“ zeigt sich oft nur in sozialen Kontakten und engen Beziehungen, in denen sich immer wieder Schwierigkeiten zeigen bezüglich Kommunikation und Einfühlungsvermögen.

Und genau hier kommt es oft zur folgenschwere Verwechslung mit einem Narzissten: ein Narzisst

kann sich sogar ausgezeichnet in sein Gegenüber einfühlen – und nutzt dies zur Manipulation, um seine Belange durchzusetzen. Ein Asperger-Autist dagegen KANN sich nicht oder nur sehr bedingt in sein Gegenüber einfühlen; er kann Körpersprache, Mimik und Andeutungen nicht intuitiv erfassen, und das Verhalten seines Gegenübers ist für ihn deshalb oft genauso ein Rätsel wie umgekehrt seine Reaktionen für seine Mitmenschen. Manipulation ist ihm darum auch schlichtweg kaum möglich, weil ihm das ganze Konzept und auch der Sinn von Manipulation fremd ist – ebenso wenig merkt er es, wenn sein Gegenüber versucht, ihn zu manipulieren.

Dies ist vermutlich der größte Unterschied zu einem Narziss: ein „Aspie“, wie sich die Betroffenen selbst gerne nennen, kann sich nicht verstellen, noch nicht einmal dann, wenn es höflich oder angebracht wäre, dies zu tun. Er ist immer authentisch, auch um den Preis, andere vor den Kopf zu stoßen. Führt dies dann zu Problemen in engen Beziehungen, steht er ratlos davor. Er war doch nur ehrlich! Die Reaktionen seiner Mitmenschen auf sein Sein sind ihm immer wieder ein Rätsel und da er nicht nachvollziehen kann, dass andere Menschen in der gleichen Situation auch anders hätten handeln können, was ihm eben nicht möglich ist, kann er dies selbst dann nicht verstehen wenn man es ihm sagt – derartige Wahlmöglichkeiten kommen in seiner Welt einfach nicht vor, und so kommt es immer wieder zu Missverständnisse und Schwierigkeiten in engen Beziehungen, und frustrierter Verzweiflung auf beiden Seiten. Asperger-Autismus ist KEINE psychische Erkrankung sondern eine angeborene neurologische Besonderheit, deren Ursache noch nicht wirklich ausreichend erforscht und die auch nicht behebbar ist. Eine Beziehung zwischen einem Asperger-Autisten und einem „neurotypischen“ Menschen wird jedoch wohl immer schwierig bleiben – wichtig und der erste Schritt zu einer Besserung der oft angespannten Beziehung ist aber zunächst einmal die Erkenntnis, dass einer der Partner Asperger-Autist sein könnte.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.